Der letzte Artikel meines ersten Jahres als Bloggerin soll, wie könnte es anders sein, eine Rückschau auf das Jahr 2018 werden. Es wird ein sehr persönlicher Artikel, in dem es weniger um Fakten aus dem Tätowiereralltag geht. Vielleicht ist es aber für dich trotzdem spannend zu lesen, welche Themen und Ereignisse mich in 2018 bewegt und geprägt haben.

Januar

Im Januar habe ich meinen Blog online gestellt. Ich war total aufgeregt und hatte große Sorge, dass ich mit Gegenwind oder Shitstorms aus der Tätowiererbranche kämpfen muss. Zum Glück hat sich diese Befürchtung nicht bewahrheitet. Ab und an bekomme ich konstruktiv-kritische Emails, aber das positive Feedback überwiegt. Der Blog bereitet mir immer noch große Freude und ich finde es toll, dass sowohl Tätowierer, als auch Kunden meine Artikel lesen und ein bisschen Mehrwert für sich mitnehmen können.

Inzwischen organisiert Jenny meine Termine

Februar

Endlich habe ich Unterstützung im Tattoostudio bekommen. Meine Assistentin Jenny einzustellen, gehört definitiv zu den besten Entscheidungen in 2018. Selbstständige denken häufig, dass sie keine Arbeit an andere abgeben können, da niemand in der Lage ist, die Aufgaben so gewissenhaft auszuführen, wie man selbst. Auch ich schlug mich lange mit solchen Gedanken herum. Heute weiß ich nicht mehr, wie ich die Arbeit jemals ohne Jenny bewältigt habe.

März

Eine Ära geht zu Ende. Nach neun Jahren habe ich im März des Jahres 2018 endlich einen Studienabschluss in der Tasche. Nach drei angefangenen und zwei abgebrochenen Studiengängen habe ich es geschafft, den Bachelor in Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Grafik erfolgreich abzuschließen. Da ich die ganzen Jahre parallel bereits auf selbstständiger Basis tätowiert habe, fiel mir das Studium nicht immer leicht. Besonders der Zeitfaktor kam mir zu oft in die Quere. Anfang 2018 zwang mich mein betreuender Dozent, die Arbeit als Tätowiererin für einige Monate zu unterbrechen, um endlich die Abschlussarbeit anfertigen zu können. Die Entscheidung war schmerzhaft, aber richtig. Ich bin heute stolz und erleichtert, dass ich das Studium mit Abschluss beenden konnte.

Der Tag meiner Abschlussprüfung

April

Um Ostern herum hatte ich zum ersten Mal eine Gasttätowiererin bei Zum Buntspecht Tätowierungen. Meine Freundin Melina von Schwarzwerk Tätowierungen kam für eine Woche zu Besuch und wir tätowierten gemeinsam an mehreren Walk-In Tagen bei mir im Tattoostudio. Damit hatte ich wieder eine Hürde genommen, vor der ich lange Zeit unberechtigte Sorgen hegte. Ist mein Studio groß genug? Werden die Kunden eine „fremde“ Tätowiererin im Studio gut annehmen? Kann Melina bei mir genug Geld verdienen? All diese Zweifel waren berechtigt, stellten sich jedoch glücklicherweise als haltlos heraus und die Woche wurde ein toller Erfolg.

Melina und ich während unserer Oster-Tattoo-Woche

Mai

An einem schönen Sonntag im Mai habe ich zum ersten Mal auf einem Flowmarkt tätowiert. Auch das war für mich eine neue Erfahrung. Ich musste gefühlt das halbe Tattoostudio ins Auto packen und in einer fremden Umgebung tätowieren. Die Kunden vor Ort waren alle sehr herzlich und auch aus finanzieller Sicht hat sich der riesige Aufwand gelohnt. Besonders froh bin ich darüber, dass viele Flowmarkt-Kunden mich später auch im Studio in Gevelsberg besucht haben. Außerdem bin ich nach dieser Erfahrung nicht mehr abgeneigt, auch mal eine Tattoo-Convention zu besuchen. Ich weiß, dass ich den organisatorischen Aufwand schaffe und dass es Spaß macht, mal die gewohnte Umgebung zu verlassen.

Auf dem Flowmarkt

Juni

Im Juni haben ein paar Freunde und ich eine Bürgerbewegung gegründet. Das hat gar nichts mit Tätowieren zu tun, hat meinen Alltag jedoch enorm bereichert. Bei einer typischen Diskussion über Politik in einer Kneipe haben wir uns kennen gelernt und aufgrund gleicher Ansichten und Weltanschauung zusammen getan. Seit dem versuchen wir, die Politik und das Stadtleben in unserer Heimatstadt Herdecke aufzumischen und unser Mitspracherecht umzusetzen. Für mich ist die Arbeit in der Bürgerbewegung ein toller Ausgleich zu meiner Arbeit als Tätowiererin. Meine Leidenschaft mit und für Menschen zu arbeiten kann ich auch hier ausleben und trotzdem gut vom alltäglichen Zeichnen und Sitzen mit krummen Rücken abschalten.

Juli

Bis auf dass ich im Juli Geburtstag habe und eine längere Zeit krank war, ist in diesem Monat nichts aufregendes passiert. Als selbstständiger Tätowierer ist es immer richtig schlimm, längere Zeit aus gesundheitlichen Gründen auszufallen. Die Arbeit bleibt liegen und häuft sich. Man bekommt mit jedem Tag mehr Panik und Druck, weil man weiß, dass die Kunden auf einen Ersatztermin warten. Die meisten zeigen natürlich Verständnis, aber es sind auch immer Kunden dabei, die wütend reagieren, wenn man einen Termin spontan platzen lassen muss.

Über zu wenig Arbeit konnte ich mich in 2018 nicht beklagen…

August

Der Rekordsommer 2018 ging auch an meinem Business nicht spurlos vorüber. Temperaturen, die selten unter die 30 Grad Marke gingen und Wochen ohne Regenfälle bescherten mir als Tätowiererin im Monat August Rekordumsätze. Viele Tattookunden versuchen, Termine im Hochsommer zu vermeiden, da man mit einer frischen Tätowierung weder schwimmen, noch in die Sonne gehen darf. Deswegen war ich anfänglich sehr verwundert, dass ich mit Terminanfragen geradezu überhäuft wurde. Meine Theorie dazu ist, dass wir alle selten so viele Tattoos, wie im Sommer 2018 gesehen haben. Dadurch, dass alle Menschen über Wochen nur leicht bekleidet waren, war es leicht, sich Inspirationen oder Lust auf eine neue Tätowierung zu holen.

September

Ganze vier Wochen hatte ich im September Urlaub. So lange Ferien hatte ich seit der Schulzeit nicht mehr. Jedoch habe ich diese Auszeit auch dringend gebraucht. Die erste Hälfte des Jahres 2018 hatte, besonders durch die Abschlussarbeit in der Uni, all meine Energiereserven aufgefressen. Die ersten 2,5 Wochen war ich mit meinem Freund, meinem Hund und unserem Wohnmobil in Südfrankreich unterwegs. Die restliche Zeit habe ich genutzt, um alles, was auf der Arbeit im Alltag liegen bleibt, aufzuarbeiten.

Im Urlaub

Oktober

Im Herbst trudelten so langsam die ersten Kooperationsanfragen für meinen Blog ein. Bisher habe ich fast alle abgelehnt. Eine Kooperation jedoch erschien mir besonders interessant und passend, sie kam von der Vorberg Schönheitsklinik und brachte mich in den zweifelhaften Genuss, zum ersten Mal in meinem Leben ein Tattoo lasern zu lassen. Wie die erste Sitzung abgelaufen ist, kannst die in diesem Artikel lesen. Weitere Termine und Berichte folgen in 2019.

Mein Tattoo wird gelasert

November

Ich war gerade auf der Autobahn auf dem Weg zu Freunden in der Nähe von Frankfurt, als ein lang ersehnter Anruf einging. Die frohe Botschaft, für eine Fortbildung bei Andy Engel zugelassen zu sein, stellt bis heute meinen Alltag auf den Kopf. Leider kann ich noch nicht mehr dazu erzählen, in 2019 wird es dann ernst. Ich freue mich riesig auf diese Herausforderung und kann die Veränderungen, die diese mit sich bringt, kaum erwarten.

Dezember

Wieder einmal durfte ich Melina als Gasttätowiererin bei Zum Buntspecht Tätowierungen begrüßen. Gemeinsam veranstalteten wir einen Advents-Tattootag, der unseren Kunden und uns große Freude bereitet hat.

Melina bei der Arbeit

Mein Fazit zu 2018

2018 war das wohl arbeitsintensivste Jahr in meinem bisherigen Leben. Der Studienabschluss zu Beginn des Jahres machte den Auftakt. Darauf folgten meine ersten neun Monate Arbeiten in Vollzeit. Bisher habe ich aufgrund des Studiums immer nur in Teilzeit gearbeitet. Dementsprechend hatte ich auch in 2018 zum ersten Mal die Möglichkeit, geregelte Öffnungszeiten im Tattoostudio einzuführen, in denen ich immer vor Ort bin, um Beratungen und Nachstecharbeiten durchzuführen. Der geregelte Alltag tut mir gut und ich arbeite sehr gerne, jedoch bezweifle ich, dass das bisherige Modell zukunftsträchtig ist. Meinen Aufzeichnungen zufolge habe ich im Durchschnitt 47,5 Stunden pro Woche gearbeitet. Dass das auf die Dauer nicht so weiter gehen kann, ist einleuchtend.

Ausblicke auf 2019

In 2019 wird sich wahrscheinlich wieder vieles ändern. Mitte 2018 habe ich noch geglaubt, dass jetzt ein geregelter Arbeitsalltag eintritt und ich die nächsten Jahre gemütlich in Vollzeit in meinem Studio in Gevelsberg tätowiere. Tatsächlich sieht es aber bisher so aus, als würde auch 2019 tierschürfende Veränderungen für mich bringen. Das hat viel mit meiner Fortbildung zu tun, aber auch mit der Tatsache, dass ich jetzt schon wieder den Drang verspüre, mich zu verändern und weiter zu entwickeln. Ich würde mich sehr freuen, diesen Weg weiterhin mit euch zu gehen. Viele altbekannte und liebgewonnene Kunden stehen für 2019 schon in meinem Kalender und ich bin auch sehr gespannt, auf viele neue Menschen und ihre Geschichten, die ich im nächsten Jahr kennen lernen darf. In diesem Sinne bedanke ich mich für die Unterstützung und Anerkennung jedes Einzelnen und wünsche dir einen guten Rutsch, sowie ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019!