Was kostet ein Tattoo?

Vor einiger Zeit habe ich schon einen Artikel darüber geschrieben, warum Tattoos überhaupt so teuer sind. In diesem Artikel möchte ich, soweit es geht, erläutern, welche Kosten auf dich zukommen, wenn du dich tätowieren lassen möchtest. Früher gab es mal eine Faustregel: ein Tattoo in der Größe der Handinnenfläche kostet 100 D-Mark. Das stimmt heute so nicht mehr.

Tätowierungen in dieser Größe können leicht auch mal mehr als 200-250 Euro kosten, je nachdem, wie aufwendig und zeitintensiv sie gestaltet sind. Außerdem macht jeder Tätowierer seine Preise selbst.
Diese richten sich nach

  • seinem Bekanntheitsgrad
  • der Größe des Studios
  • der Lage des Tattoostudios
  • der Qualität der Tätowierung

Ein Tattoostudio in der Düsseldorfer Innenstadt kostet sicher ein Vielfaches an Miete, als ein kleiner Shop am Rand einer Kleinstadt. Ein paar gängige Parameter zur Preisgestaltung beim Tätowieren kann man jedoch nennen. Kleine Tätowierungen, die meist nur aus Linien bestehen und die Größe einer Zigarettenschachtel nicht überschreiten liegen meistens bei 80-120 Euro. Dazu gehören zum Beispiel kleine Namen am Handgelenk, Unendlichkeitsschleifen, Pfotenabdrücke o.Ä.

So ein Tattoo kostet 80-120 Euro

Manchmal sehe ich Tätowierungen dieser Art, für die der Kunde laut eigener Aussage nur 30 Euro oder weniger bezahlt hat, in diesem Fall sollte man vorsichtig sein. Tätowierer, die so niedrige Preise aufrufen, können unmöglich wirtschaftlich arbeiten.

Lies hierzu auch meinen Artikel Warum ist mein Tattoo so teuer? in diesem Artikel habe ich detailliert aufgeschlüsselt, warum Selbstständige einen viel höheren Stundenlohn aufrufen müssen, als Angestellte. Bis vor wenigen Monaten konnte auch ich es mir noch erlauben, mal ein Mini-Tattoo für einen Fünfziger zu stechen. Ich war noch als Studentin eingeschrieben und hatte dementsprechend einen deutlich niedrigeren Krankenkassenbeitrag zu zahlen und musste noch keine Mehrwertsteuer erheben.Seit dem hat sich einiges geändert.

Wie setzt sich der Tattoopreis zusammen?

Wenn der Tätowierer dir seinen Preis nennt, sei es für die Tätowierung oder für seine Arbeitsstunde, darfst du nicht vergessen, dass in diesem Preis alle Unkosten anteilig enthalten sind. Ich zähle nur ein paar auf, um dir die Dimensionen klar zu machen: Lohn für den Tätowierer, Miete, Strom, Gas, Tattoomaterialien, Vorbereitungszeit, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Versicherungen, IHK-Beitrag, Altersvorsorge, Geld für Rücklagen, Verschleißrücklagen, Zeichenmaterial, Müllentsorgung, … die Liste ist endlos. Du verstehst nun, dass Tätowierer es nicht gerne hören, wenn Kunden sagen: „Deinen Stundenlohn möchte ich haben!“ Der Kunde weiß ja gar nicht, was als Stundenlohn übrig bleibt…

Viele Tätowierer schlagen auch noch die Zeit, die sie für die Vorzeichnung aufgewendet haben oben drauf. Das sollten sie auch, schließlich ist auch diese Zeit Arbeitszeit

Zurück zur Urpsrungsfrage: Was kostet ein Tattoo?

Gibt man diesen Satz bei Google ein, vervollständigt Google ihn direkt mit einigen Vorschlägen: „Was kostet ein Tattoo am Handgelenk?“ oder „Was kostet ein Tattoo am ganzen Arm?“ Das Internet ist voll mit Antworten auf diese Fragen. Die meisten kommen aus klassischen Frage-Antwort Foren und sind dementsprechend ungenau. Bei meinen Recherchen fand ich eine Seite, auf der man anhand einiger Fragen seinen individuellen Tattoopreis berechnen lassen kann. Der Tattoorechner bestimmte für mein fiktives Wunschtattoo in einer Größe von 10×10 cm in schwarz inklusive Schattierungen einen Preis von 493 Euro. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie 493 Euro für ein Tattoo bezahlt und von einem Kunden auch noch nie solch einen seltsamen Preis verlangt. Wie die Berechnungen der Seite zustande kommen, bleibt undurchsichtig – ich rate von solchen Rechnern ab.

Wie machen Tätowierer ihre Preise?

Fakt ist, jeder Tätowierer macht seine Preise selbst. Außerdem legt er fest, wie abgerechnet wird.

  • Manche Tätowierer arbeiten mit einem Stundenlohn. Dieser liegt im Schnitt in Deutschland bei 80-150 Euro. Beim Stundensatz gilt es zu bedenken, dass jeder Tätowierer ein anderes Tempo vorlegt. Lasse dich von höheren Stundensätzen nicht direkt abschrecken. Eventuell schafft dein Tätowierer in zwei Stunden für 300 Euro mehr und der günstigere Tätowierer, der 80 Euro berechnet, hätte die doppelte Zeit für deinen Wunsch gebraucht.
  • Andere Studios legen Pauschalpreise für ein Motiv fest. Dies gibt dir als Kunden mehr Planungssicherheit, erhöht jedoch das finanzielle Risiko des Tätowierers. Ist ein Kunde sehr schwer zu tätowieren, weil seine Haut Probleme macht oder er nicht gut still halten kann, braucht das Tattoo vielleicht mehr Zeit, als einkalkuliert und der Tätowierer zahlt drauf. Oder er braucht im schlimmsten Fall eine weitere Sitzung, für die neue Preisverhandlungen beginnen müssen. Das ist dann für beide unangenehm.
  • Manche Studios lassen sich auch pro Sitzung bezahlen. Sie reservieren dir beispielsweise den ganzen Tag und nennen ihren Tagessatz. Wenn du dann nur 2,5 Stunden durch hältst, kann es sein, dass du trotzdem den Tagessatz von beispielsweise 500 Euro bezahlen musst, weil der Tätowierer den ganzen Tag für dich reserviert hatte und so schnell für den restlichen Tag keinen Folgekunden findet.
Preisunterschiede – nicht nur die Größe ist ausschlaggebend

Erst vor kurzem hatte ich eine kleine Diskussion mit einer Kundin. Sie wollte ein kleines Aquarelltattoo mit Linien und vielen bunten Farben. Die Tätowierung sollte nicht größer sein, als eine Zigarettenschachtel, aber individuell für sie angefertigt. ich erklärte ihr, dass die Tätowierung 120 Euro kosten würde. Daraufhin fiel sie vor Schreck fast vom Stuhl und fing an, mir ihre alten Tätowierungen zu zeigen, inklusive einer Auflistung der Preise, die sie bezahlt hatte. Die Preise lagen tatsächlich alle unter meinem Preis von 120 Euro. Jedoch war ersichtlich, dass all ihre Tätowierungen keinen Vorbereitungsaufwand bedurft hatten.

Ein Beispiel für ein aufwendiges Mini-Tattoo

Die Vorbereitung macht den Unterschied

Alle Tätowierungen waren schwarz und direkt am Termin auf die Haut gezeichnet worden, beziehungsweise mit einer von der Kundin mitgebrachten Vorlage erstellt worden. Es dauerte einige Zeit, ihr zu erklären, dass in dem Preis von 120 Euro nicht nur mein Stundenlohn von 100 Euro enthalten ist, sondern dass ich auch die Zeit für die Zeichnung anteilig berechnen muss. Für ihre Tätowierung musste ich nicht nur Recherchearbeit betreiben, ich muss auch mein Aquarellpapier, meine Pinsel, meine Farben und meine Zeit einsetzen, um eine Tätowiervorlage für sie anfertigen zu können. Diese Zeit und den materiellen Aufwand muss ich mir selbstverständlich vergüten lassen. Und da sind 20 Euro wirklich nicht zu viel….

Ein kleiner Schriftzug, den der Tätowierer dir am Termin auf die Haut zeichnet, kann also durchaus günstiger sein, als ein kleines Bild in der gleichen Größe, welches der Tätowierer liebevoll vorbereitet hat.

…ebenso die Lage und Größe des Studios

Zu Beginn des Artikels hatte ich schon mal angesprochen, dass auch die Lage des Tattoostudios einen Einfluss auf den Preis haben muss. Ein Ladenlokal auf einer großen Einkaufsstraße im Zentrum einer Großstadt kann monatlich schon mal so viel kosten, wie der Kaufpreis eines Autos. Mieten um die 10.000 Euro sind keine Seltenheit. Wer einen großen Laden mit mehreren Tätowieren betreibt, braucht auch zusätzliches Personal, um den Arbeitsablauf reibungslos zu gestalten. Sekretärinnen (auch Shopgirls oder Shopguys genannt) wollen ebenso entlohnt werden, wie eine Putzhilfe oder jemand der zum Zeichnen der Vorlagen angestellt wurde.

Die vielen Details machten dieses Tattoo sehr teuer

… oder ist dein Tätowierer ein Superstar?

Je bekannter und je besser ein Tätowierer ist, desto mehr interessierte Kunden zieht er an. Ein Tätowierer mit 500.000 Followern auf Instagram hat sehr wahrscheinlich mehr Kunden, als er bedienen kann. Folgerichtig muss er selektieren. Und seien wir mal ehrlich: wer von uns würde in diesem Fall nicht die Preisschraube nach oben drehen, wenn danach trotzdem noch genug Kunden bleiben und man mit der gleichen Arbeitszeit ein Vielfaches an Geld verdienen kann?

Was kostet denn jetzt ein ganzer Arm?

Du merkst, die Preisfrage ist nicht abschließend zu klären. Außer du suchst deinen Wunschtätowierer auf und sprichst mit ihm in allen Details über deinen Tattoowunsch.
Ich möchte dir den dringenden Rat mit auf den Weg geben, den Tätowierer nicht nach dem Preis auszuwählen. Tätowierungen unter 50 Euro würde ich mir generell nicht stechen lassen. Jedes Tattoo und sei es noch so klein, kostet den Tätowierer mit sorgfältiger Vor- und Nachbereitung mindestens eine Stunde Zeit. Rechnet man noch die Materialkosten hinzu, sind 80-100 Euro das Mindeste, was man ausgeben sollte.

Und seien wir mal ehrlich: Tätowierungen sind Schmuck. Körperschmuck, der im besten Fall ein Leben lang halten soll. Einen Ehering kaufst du ja auch nicht bei Claires oder bei Kaufhof in der Modeschmuckabteilung…

Für größere Projekte freundest du dich gedanklich am besten mit einem höheren 3-stelligen Betrag an. Ganze Rücken, Arme oder Beine können auch locker über 1000 Euro kosten.

Du weißt den Preis für dein Wunschtattoo immer noch nicht?
Der beste Weg, das heraus zu finden, ist der Gang zum Tätowierer deines Vertrauens. Oder stelle deine Fragen in den Kommentaren oder schreibe mir eine Email.

1 Kommentar

  1. Ich finde es auch immer besser, sich vor Ort bei einem Tattowierer über die Preise zu informieren. So kann man genau sagen, was man gerne möchte und entsprechend fallen dann auch die Kosten aus.

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