Wenn dein erstes Tattoo ansteht, hast du dich sicher schon gefragt, wie dein Termin im Studio abläuft. In diesem Artikel erkläre ich dir alle Arbeitsschritte, die dich auf dem Weg zu deinem Tattoo erwarten.

Der Ablauf zu Beginn

Im besten Fall kommst du pünktlich zum Termin und auch dein Tätowierer ist schon vor Ort, um sich vorzubereiten. In den meisten Tattoostudios bekommen die Kunden ihre Vorzeichnung in diesem Moment zum ersten Mal zu sehen. Nur wenige Tätowierer schicken eine Vorlage vorab. Wenn du dich auf ein Wanna-Do des Tätowierers gemeldet hast, weißt du natürlich auch schon, wie dein Tattoo aussehen wird. Nun besprecht ihr noch eventuelle Änderungswünsche und legt gemeinsam die Größe fest, in der das Tattoo gestochen werden soll. Dazu legt der Tätowierer die Zeichnung an die gewünschte Körperstelle und kopiert das Bild im Zweifel etwas größer oder kleiner.

Von einem Blaupapier zeichnet der Tätowierer seine Schablone

Die Blaupause, auch Stencil genannt

Passt das Motiv, fertigt der Tätowierer eine Blaupause an. Eine Blaupause, auch Stencil genannt, ist eine Vorlage, die wie eine Schablone auf deine Haut geklebt wird. So kann der Tätowierer anhand der Schablone tätowieren, ohne dass das Motiv verrutscht oder verzerrt wird.
Viele Tätowierer benutzen einen speziellen Kopierer, um das Motiv auf das Blaupapier zu drucken, andere zeichnen die Blaupause per Hand. Das dauert erheblich länger und du hast noch Zeit für eine Zigarette oder einen Tee. Wenn die Größe deiner Tätowierung schon vor dem Termin fest steht, hat der Tätowierer das Stencil vielleicht schon fertig.

Nimm dir genug Zeit, um die Vorlage auf deinem Körper zu beurteilen. Du kannst dem Tätowierer sagen, wenn dir die Position nicht gefällt.

Die Blaupause wird mit Hilfe einer speziellen Flüssigkeit auf deinen Körper geklebt. Nimm dir genug Zeit, um das Motiv auf deinem Körper zu beurteilen. Du kannst deinem Tätowierer sagen, wenn dir die Positionierung nicht zusagt und du eine Änderung wünschst. Das ist kein ungewöhnlicher Ablauf und für den Tätowierer ganz normal. In vielen Fällen kann man die Blaupause mehrmals auf deinen Körper aufkleben.

Bei einem komplizierten Cover-Up kann es vorkommen, dass der Tätowierer Stencils und Freihand-Zeichnungen kombiniert

Manche Tätowierer zeichnen das Motiv Freihand auf den Körper

In diesem Fall entfällt beim Ablauf der Schritt mit der Blaupause. Das Zeichnen auf dem Körper kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Stell dich also darauf ein, dass du lange ruhig stehen musst, während dein Tätowierer zeichnet. Häufiges Wegwischen der Zeichnung und ein sehr langsames und sorgfältiges Zeichnen sollten dich nicht abschrecken, es ist ganz normal. Eine Tätowierung ist nur so gut, wie ihre Vorzeichnung. Wenn dir die Zeichnung nicht gefällt, dann sag es deinem Tätowierer. Natürlich ist das ärgerlich und unangenehm, wenn er lange gezeichnet hat, aber es ist deine Tätowierung und du siehst sie jeden Tag.

Eine kleine Anekdote
Ich hatte selbst einen Termin bei einem Tätowierer, der freihand seine Motive aufzeichnet. Die Zeichnung sollte ein Vogel werden, sah aber in meinen Augen aus, wie ein Engel mit menschlichem Gesicht. Ich sagte ihm, dass ich mit der Zeichnung nicht einverstanden bin. Daraufhin reagierte der Tätowierer sehr beleidigt und es artete in eine Diskussion aus. Schließlich verließ ich weinend das Studio und der Tätowierer kam hinter mir her gelaufen, um mir eine neue Zeichnung anzubieten. Schlussendlich waren wir beide mit dem neuen Vogel glücklich und das Foto der Tätowierung wurde sogar in einer bekannten Tattoozeitschrift abgedruckt.

Die Vorbereitung für das Tätowieren

Wahrscheinlich hat dein Tätowierer seinen Arbeitsplatz schon weitestgehend aufgebaut. Alle Materialien und die Arbeitsflächen sollten mit Plastikfolie abgedeckt sein.
Als Tätowierer dürfen wir unsere Nadeln erst vor den Augen des Kunden aus der sterilen Verpackung entnehmen. Auch das Aufschütteln und Einfüllen der Farbe geschieht erst jetzt. So kannst du sicher sein, dass alles hygienisch einwandfrei ist. Dieser Teil des Ablaufs kann nochmal viel Zeit in Anspruch nehmen.
Du kannst dir schon mal eine gute und angenehme Sitz- oder Liegeposition aussuchen, in der du über einen längeren Zeitraum gut still halten kannst.

Der Arbeitsplatz ist meist schon vorbereitet, doch die Nadeln dürfen erst vor dem Kunden ausgepackt werden

Jetzt wird es ernst

Während des Tätowierens ist es wichtig, dass du absolut still hältst. Warne deinen Tätowierer vor, wenn du husten musst oder dein Handy zur Hand nehmen möchtest. Jede Bewegung deinerseits, kann eine wacklige Linie verursachen.
Manche Tätowierer unterhalten sich gern mit ihren Kunden während sie arbeiten, andere brauchen ihre ganze Konzentration zum Stechen. Am besten fragst du deinen Tätowierer, welche Arbeitsweise er bevorzugt.
Wenn einer von beiden eine Pause haben möchte, kann er das natürlich sagen. In diesem Punkt muss man sich einig werden. Sowohl die Kunden, als auch die Tätowierer haben unterschiedliche Vorlieben, was die Anzahl und Länge der Pausenzeiten betrifft. In diesem Fall gilt es, einen guten Kompromiss zu finden, damit beide eine angenehme Sitzung haben.

Kleine Tattoos schaffen die meisten ohne Pause. Bei stundenlangen Sitzungen werden Pausen jedoch obligatorisch.

Der klassische Tattootermin

Zuerst werden immer die Linien gezogen, gefolgt von den schwarzen und grauen Schattierungen. Darauf folgt die Farbe, wenn ein farbiges Motiv gewünscht wird. Wenn dein Tätowierer weiße Highlights in das Motiv einarbeitet, kommen diese ganz zum Schluss.
Große Tätowierungen werden häufig in mehrere Sitzungen aufgeteilt. In diesem Fall kann es sein, dass dein Tätowierer mit sogenannten Ghost-Lines oder Blutlinien startet. Das sind Hilfslinien, die sehr rasch gezogen werden, um später erst sorgfältig ausgearbeitet zu werden.

Nach der Sitzung braucht ihr noch Zeit für ein schönes Foto.

Das Tattoo ist geschafft!

Wenn das Motiv fertig ist oder ihr beschließt, an einem Folgetermin weiter zu arbeiten, wird der Tätowierer dein Tattoo sorgfältig reinigen und eine Pflegesalbe auftragen. Hierbei handelt es sich meist um eine spezielle Tattoobutter oder Tattoocreme, die hautberuhigend wirkt, den Fluss von Wundwasser minimiert und die Rötung reduziert. Anschließend wird die Tätowierung mit einer Plastikfolie, einer Frischhaltefolie oder einer Klebefolie für Wunden abgedeckt. Falls noch nicht geschehen, wird der Tätowierer dir nun Hinweise zur richtigen Nachbehandlung der Tätowierung geben.

Schöne Fotos gehören zum Ablauf

Wenn ihr mit dem Tattoo fertig geworden seid, kann es sein, dass der Tätowierer vor dem Einpacken der Tätowierung schöne Fotos machen möchte. Hier gilt ein letztes Mal: Stillhalten und Geduld mitbringen. Fotos sind das wichtigste Werbematerial für einen Tätowierer. Es wichtig, dass du hier nochmal kooperativ und geduldig mitarbeitest.

Manchmal kommt es vor, dass ein sehr hilfsbereiter Kunde mir seine Unterstützung beim Aufräumen des Arbeitsplatzes anbietet. Fast instinktiv greifen manche nach der Liegenabdeckung, um diese abzuziehen oder fragen direkt, wobei sie helfen können. An dieser Stelle muss ich sagen, dass das nicht nur unnötig ist, denn du bist der Kunde und bezahlst für den Termin, es ist auch gefährlich. Professionelle Tätowierer sind dafür geschult und ausgebildet, ihren Arbeitsplatz sicher und ohne das Risiko einer Kreuzkontamination abzubauen und zu reinigen. Unwissende Kunden können Viren und Bakterien verteilen und stellen ein Risiko dar, wenn sie sich auf den Arbeitsplatz des Tätowierers stürzen.

Nach dem Termin

Üblicherweise bezahlst du deine Tätowierung nach dem Tätowieren. Informiere dich vorab, wie viel Geld du mitbringen solltest und ob dein Tätowierer noch andere Zahlungsmethoden akzeptiert.
Solltest du dich unmittelbar nach dem Tätowieren nicht gut fühlen und ein paar Minuten Erholung brauchen, teile dies unbedingt deinem Tätowierer mit. Es ist für uns nicht ungewöhnlich, dass ein Kunde ein wenig Zeit zur Erholung braucht, bevor er sich ins Auto setzen und sicher am Straßenverkehr teilnehmen kann.

Du merkst, der Ablauf eines Tattootermins kann sehr zeitintensiv sein. Plane am besten keine Termine unmittelbar nach dem Tattootermin. Es ist immer sehr schwer zu schätzen, wie lange eine Sitzung dauert und kein Tätowierer arbeitet gern, wenn der Kunde unter Zeitdruck steht. Noch mehr Tipps bekommst du in meinem Artikel „Wie bereite ich mich auf den Tattootermin vor“.
Sollten jetzt noch offene Fragen bestehen, stelle sie gerne in den Kommentaren oder schreibe mir eine Email.