12 Sätze, die dein Kunde nicht hören möchte

Der Artikel zu den 12 Sätzen, die ein Tätowierer nicht hören möchte, stieß auf großes Echo bei meinen Kundinnen und Kunden. Viele sprachen mich darauf an, manche mit positivem Feedback, andere fühlten sich vor den Kopf gestoßen. Ich möchte keine meiner Aussagen revidieren oder mich für meine Offenheit entschuldigen. Wenn man über das Tattoobusiness aufklären möchte, ist ein ehrliches Wort unumgänglich. Der Fairness halber finde ich es jedoch angebracht, einen Schwesterartikel zu verfassen, der 12 Sätze benennt, die der Kunde nicht aus dem Mund des Tätowierers hören möchte. Ein gewisser Unterhaltungswert ist nicht ausgeschlossen.

„Wir müssen deinen Termin leider verschieben.“

Das sind natürlich bittere Nachrichten. Jeder Tattookunde weiß, wie sehnsüchtig und meist auch lang man auf Tattootermine wartet. Muss der Tätowierer den heiß ersehnten Termin verschieben, ist die Enttäuschung groß. Es gilt jedoch zu bedenken, dass der Tätowierer sicher gute Gründe anführen kann. Im Krankheitsfall ist es natürlich unumgänglich, alle Termine zu verschieben. Allerdings buchen viele Tätowierer sich auf viele Wochen oder Monate hinaus aus und manchmal kommen Termine dazwischen, die wichtiger sind und die es notwendig machen, die Kundentermine zu verschieben. Dazu kann ein Fortbildungstermin gehören, eine Einladung zu einer Hochzeit oder ein wichtiger Termin beim Arzt.
Besonders ärgerlich ist es natürlich, wenn der Kunde für den Termin große Umstände in Kauf nehmen musste, beispielsweise einen oder mehrere Urlaubstage beantragen, eine lange Anreise planen oder gar ein Flugticket und ein Hotelzimmer buchen. Manche Tätowierer kommen dem Kunden in solchen Fällen finanziell bei der Aufwandsentschädigung entgegen, aber nicht jedem Tätowierer ist ein solches Verhalten finanziell möglich.


„Ich bin heute irgendwie mit dem falschen Fuß aufgestanden.“

Unglaublich, aber wahr, es gibt Tätowierer, die solche Sätze ihren Kunden gegenüber äußern. Für professionell arbeitende Tätowierer gehört es natürlich zu den absoluten No-Gos ihre Kunden über eine mögliche körperliche oder mentale Unpässlichkeit aufzuklären. Auch, wenn man sich selbst sicher ist, die Tätowierung trotzdem einwandfrei zu stechen, so verunsichert eine solche Aussage den Kunden doch in höchstem Maße.


„Das Tattoo kann ich dir an dieser Körperstelle nicht tätowieren.“

Auch diesen Satz hört man als Kunde mehr als ungern aus dem Mund des Tätowierers. Jedoch gibt es immer wieder triftige Gründe, eine Tätowierung an der vom Kunden gewünschten Körperstelle abzulehnen. Ein sehr feiner Schriftzug am Rippenbogen, wie man sie auf Pinterest in großer Anzahl zu sehen bekommt, funktioniert leider nicht, wenn kein sichtbarer Rippenbogen, dafür aber eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Speckröllchen vorhanden ist. Der feine Schriftzug würde von diesen bei aufrechter Körperhaltung einfach verschluckt. Für den Tätowierer kann es ein regelrechter Eiertanz werden, einer Kundin behutsam zu erklären, dass sie schlicht zu dick für ein solches Tattoo ist.

Zugegeben gibt es auch Tätowierer, die Körperstellen ablehnen, weil sie ihnen zu anstrengend zu bearbeiten sind. Knie, Bauch, Brust und Ellbogen gehören beispielsweise zu den Teilen des Körpers, die recht kompliziert zu tätowieren sind. Manche Kollegen ersparen sich den Stress und lehnen diese Körperstellen ab.


„Dieses Motiv muss ich leider ablehnen.“

Ein Satz, der täglich sicher häufig in Tattoostudios fällt. Warum ein Tätowierer ein Motiv ablehnt, kann viele Gründe haben. Ich rate dringend davon ab, den Tätowierer zu einem Motiv zu überreden, das er zuvor abgelehnt hat.


„Das Tattoo ist leider viel teurer geworden, als vorab besprochen.“

Okay, das ist hart. In der Regel wurde vorab zumindest grob ein finanzieller Rahmen besprochen, in dem sich das Tattoo bewegt. Weicht der Endpreis sehr stark von der vorab besprochenen Größenordnung ab, muss der Tätowierer aus meiner Sicht nachvollziehbare Gründe anführen. Tätowierungen sind nie günstig und fast jeder Kunde muss auf eine Tätowierung sparen. Eine nachträgliche Preiserhöhung ist unfair dem Kunden gegenüber und sollte schnellstmöglich noch während des Arbeitsprozesses angesprochen werden.
Ist die Kostensteigerung auf nachträgliche Zusatzwünsche des Kunden zurück zu führen, ist eine Beschwerde natürlich unangebracht.


„Ich verlasse mein Studio und ziehe 500km weit weg.“

Dieses Szenario gehört auch zu den absoluten Klassikern der unbeliebten Sätze gegenüber treuen Kunden. Viele Tätowierer sind Weltenbummler oder suchen nach vielen Jahren der Sesshaftigkeit neue Herausforderungen in anderen Städten oder Ländern. Für Stammkunden ist ein solcher Umzug natürlich ärgerlich. Am schlimmsten trifft es die, die angefangene Projekte auf ihrem Körper tragen und nun dem Tätowierer zur Fertigstellung hinterher reisen müssen. Verbieten kann man einen Umzug jedoch niemandem, egal, wie viele Umstände er nach sich zieht.


„Oh, ich habe ganz vergessen, dass du heute kommst.“

Irren ist menschlich und auch vergessen ist menschlich. Ein durchschnittlich ausgelasteter Tätowierer hat 300-500 Kundentermine pro Jahr im Kalender stehen. Da kann mal ein Termin verrutschen oder vergessen werden. Den Kunden, den es trifft, ärgert es verständlicherweise gewaltig. Ich kann mich auch nicht davon frei sprechen, dass bei mir mal Kunden vor verschlossener Tür standen und ich kann auch nicht garantieren, dass es mir in den vielen noch anstehenden Berufsjahren nicht noch mal passiert. Kommt ein solches Verhalten jedoch häufig oder gar in schöner Regelmäßigkeit vor, sollte man anfangen, die Professionalität des Tattoostudios in Frage zu stellen.


„Ich habe heute keine Zeit, aber meine Kollegin tätowiert dich.“

Das Beratungsgespräch ist schon lange gelaufen, der Motivwunsch steht fest, eine Anzahlung wurde hinterlegt und der Tag des Stechens ist da. Doch der auserwählte Tätowierer hat überraschenderweise keine Zeit und überweist leichten Mutes an eine Kollegin oder einen Kollegen aus dem Studio. Jeder Tattooliebhaber, der schon den einen oder anderen Termin im Tattoostudio verbracht hat, kann sich vorstellen, wie entsetzt man als Kunde in dieser Situation reagiert. Mir ist dieses Szenario zum Glück noch nie passiert, doch ich habe es schon von vielen Kunden geschildert bekommen. Ob man den Termin dann trotzdem wahr nimmt oder nicht, muss jeder selber entscheiden. Professionell finde ich dieses Verhalten jedoch nicht. Wenn der Kunde mit dem spontanen Wechsel absolut nicht einverstanden ist, sollte er seine Anzahlung zurück fordern.


„Stell dich nicht so an, du wusstest doch, was dich erwartet.“

Jeder Tätowierer geht anders damit um, wenn der Kunde den Tattooschmerz nicht gut verkraftet. Manche sind sehr mitfühlend und vorsichtig, andere ignorieren das Winseln des Kunden und wieder andere werden wütend. Letztere bilden zum Glück eine Ausnahme. Natürlich muss der Kunde ein Stück weit die Fähigkeit mitbringen, die Zähne zusammen beißen zu können. Trotzdem muss man sich nicht alles gefallen lassen. Ein strenges Wort vom Tätowierer kann helfen, sich für die letzten Minuten nochmal zusammen zu reißen, aber Unverschämtheiten muss der Kunde sich nicht bieten lassen.


„Ups!“

Ich sehe bildlich vor mir, wie viele meiner Kunden jetzt schmunzeln. Mir passiert es tatsächlich häufig, dass ich während des Tätowiervorgangs „Ups!“ sage. Der geschockte Kunde denkt natürlich direkt an einen Tätowierfehler oder eine verwackelte Linie. Zur Schonung der Nerven des Kunden sollte man ein „Ups!“ oder „Hoppla!“ tunlichst vermeiden. Ich benutze „Ups!“ oder Ausdrücke mit ähnlicher Bedeutung nicht für Fehler oder verwackelte Linien, es rutscht mir einfach raus, wenn ich beispielsweise mein Arbeitstuch fallen lasse oder eine Farbkappe umschmeiße.


„Ich bin für die nächsten drei Jahre ausgebucht.“

Es ist immer wieder traurig zu hören, dass der Lieblingstätowierer weit ausgebucht ist oder aus anderen Gründen keine neuen Termine anbieten kann. Ändern lässt es sich jedoch nicht. Auf meiner Wunschliste stehen auch schon drei Tätowierer, bei denen ich noch nie das Glück hatte, einen Termin ergattern zu können.


„Ich mache das Tattoo so, wie ich es will oder gar nicht.“

Das ist ein ganz heikles, aber facettenreiches Thema.
Es gibt Tätowierer, die arbeiten aus Prinzip nicht nach Kundenwunsch und sträuben sich, Änderungswünsche des Kunden in ihrer Vorlage umzusetzen. Es handelt sich meist um Tätowierer, die einen sehr ausgeprägten Stil mit hohem Wiedererkennungswert haben. Um eine unverwechselbare Handschrift zu entwickeln und die eigene Arbeit zu etablieren, ist es notwendig äußere Einflüsse in Form von Kundenwünschen abzulehnen.
Als Kunde sollte man sich grundsätzlich fragen, welche Art der Tätowierung er sich wünscht. Ein höchst individuelles Kunstwerk eines etablierten Künstlers oder ein Tattoo, das den Rahmenbedingungen einer klassischen Dienstleistung entspricht und die eigenen Wünsche in den Vordergrund stellt. In diesem Fall ist der Tätowierer weniger Künstler als Handwerker, der den Wunsch des Kunden umsetzt ohne sich selbst zu verwirklichen.


Auch diese Liste ließe sich endlos fortführen. Wenn Du etwas ergänzen, bemängeln oder unterstreichen möchtest, schreibe es gern in die Kommentare, ganz egal, ob du Kunde oder Tätowierer bist.

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