Tattoo sind in der vergangenen Dekade gesellschaftsfähig geworden.
Das hat zur Folge, dass sich immer mehr Menschen tätowieren lassen. Es führt auch dazu, dass die Motivwünsche immer individueller und persönlicher werden. Der Kunde sucht sich nicht mehr einen coolen Drachen oder ein Segelschiff aus der Vorlagenmappe aus. Der Kunde möchte ein persönliches Tattoo, das am besten noch einen autobiografischen Bezug hat.
Häufig werden Tattoos gestochen, die den Abschied von einem geliebten Menschen oder eines geliebten Tieres symbolisieren.
Es verwundert daher nicht, dass vereinzelte Kunden auf die Idee kamen, ihr Tattoo nicht nur durch Bildsprache zu individualisieren, sondern die Bedeutung auf ein höheres Level zu heben und die Asche des schmerzlich vermissten Lebewesens in die Tattoofarbe einzubringen.
In den sozialen Netzwerken finden sich immer mehr Debatten zu diesem Thema und auch wir hatten Anfragen von Kunden in diesem sensiblen Bereich.
In diesem Artikel soll es darum gehen, ob es möglich ist, Asche von Verstorbenen in Tattoofarbe zu mischen, wie sinnvoll diese Art der Erinnerung ist und ob es gesundheitliche Risiken für den Tätowierten gibt.
Ist es möglich, Asche in Tattoofarbe zu mischen?
Auf die Frage nach der Möglichkeit können wir aus verschiedenen Perspektiven antworten.
Technisch gesehen ist es möglich, Asche aus einer Kremierung in Tattoofarbe zu mischen. Wie viel von der Asche wirklich über die Nadel in die Haut transportiert wird, lässt sich schwer sagen. Viel ist es auf jeden Fall nicht, da die Asche sehr grobkörnig ist und sich somit nicht gut mit der Tattoofarbe vermischt.
Aus rechtlicher Perspektive ist es in Deutschland verboten, Asche in Tattoofarbe zu mischen. Zum einen unterliegen wir verschiedenen Verordnungen, die Inhaltsstoffe und Umgang mit Tattoofarbe regeln. Zum Anderen gibt es in den meisten Bundesländern ein Teilungsverbot der Asche und einen Friedhofszwang. Unter bestimmten Umständen kann man einen Teil der Asche für die Anfertigung eines Schmuckstückes, zum Beispiel eines Diamanten, erwirken. Nach meinen Recherchen ist das jedoch, zumindest für menschliche Asche, ein komplizierter Weg.

Wie sinnvoll ist es, Asche in Tattoofarbe zu mischen?
Die Frage nach dem Sinn einer solchen Tätowierung kann nur der Trauernde beantworten, der mit dem Tattoo einen Weg sucht, seine Erinnerungen zu manifestieren und seine Trauer zu bewältigen.
Man sollte jedoch vorher wissen und bedenken, dass die Asche eventuell nicht im gestochenen Tattoo verbleibt. Asche aus einer Verbrennung ist sehr grobkörnig und wird vom Immunsystem des menschlichen Körpers erkannt, absorbiert und über die Lymphbahnen abtransportiert. Mischt man die Asche lediglich mit einer transparenten Trägerflüssigkeit ohne zusätzliche Pigmente, verbleibt wenig bis keine sichtbare Farbe unter der Haut. Da Asche aus einer Kremierung auch eher weiß-grau, als schwarz ist, ist sie außerdem unter der Haut kaum sichtbar.
Anders verhält es sich mit Ruß. Schwarze Tattoofarbe bekommt ihre Schwarzpigmente aus Ruß. Diese Rußpigmente werden von den Makrophagen aufgenommen, sodass sie ein Leben lang an Ort und Stelle unter der Haut halten. Ruß ist schwarz und somit als Tattoo gut sichtbar. Um ein Tattoo aus der Asche eines Verstorbenen anfertigen zu können, bei dem die sichtbaren Pigmente gänzlich aus dem Material des Verstorbenen bestehen, müsste man die Asche vorerst verrußen und mit dem entstehenden Ruß eine Tattoofarbe anfertigen.
Für den Otto-Normal-Verbraucher stellt dies eine kaum zu bewältigende Umsetzung dar.

Gibt es gesundheitliche Risiken bei Asche in Tattoofarbe?
Natürlich gibt es bei jeder Manipulation von Tattoofarbe gesundheitliche Risiken. Wie hoch die Risiken in diesem Fall sind, ist von vielen Faktoren abhängig.
Asche an sich ist steril und somit ungefährlich, denn der verstorbene Körper wurde bei Temperaturen von über 1000 Grad Celsius verbrannt. Diesen Vorgang überleben klassische Krankheitserreger nicht. Asche aus dem Krematorium kann somit bedenkenlos angefasst werden.
Sie unter die Haut zu bringen, stellt jedoch ein anderes Risiko dar. Menschen lagern im Laufe ihres Lebens Schwermetalle im Körper ein, die eine Verbrennung überstehen können. Schwermetalle sind aus verschiedenen Gründen in Tattoofarbe verboten, da sie Allergien und andere Folgeerkrankungen auslösen können. Da wir weder die Menge, noch die Art der Schwermetalle in der Asche bestimmen können, stellt dies ein Risiko für den Kunden dar.
Weiterhin haben wir keine Kontrolle über die Lagerung und den Transport der Asche. Auf diesem Wege können wieder Verunreinigungen auftreten, die die vormals sterile Asche kontaminieren und somit ein Risiko in der Verwendung unter der Haut darstellen.

Fazit und Zusammenfassung
Die in diesem Artikel behandelten Punkte entstammen meiner Recherche, Gesprächen mit Experten, sowie meinen eigenen Erfahrungen als Tätowiererin. Daher hinterlege ich meine Aussagen nicht mit Quellen und erhebe keinen Anspruch auf Korrektheit oder Vollständigkeit – ihr könnt alle selber googeln oder tiefer in die Materie einsteigen, wie ich es getan habe 😉 Ich möchte hier meinen Wissensstand abbilden und teilen und Menschen, die zu diesem Thema recherchieren mit Impulsen und Gedankenanstößen helfen.
Wenn du dich für ein solches Tattoo interessierst, ist es wichtig zu wissen, dass du nicht ausschließlich mit Asche eines Verstorbenen ein Bild unter die Haut tätowieren kannst. Die Asche muss mit anderen Pigmenten vermischt oder vorab verrußt werden. Dies stellt ein gesundheitliches Risiko dar, es ist sehr wahrscheinlich nicht legal und niemand kann sagen ob oder wieviel von der Asche unter deiner Haut oder in deinem Körper verbleibt. Natürlich wird es auch schwierig, der Asche habhaft zu werden und einen Tätowierer zu finden, der diesen Auftrag annimmt.
Ich möchte nicht über diesen Wunsch urteilen, da jeder Mensch anders mit Trauer und Verlust umgeht. Aus professioneller Sicht würde ich jedoch nicht dazu raten, den Gedanken an ein solches Tattoo zu manifestieren. Wenn du noch weitere Fragen oder Anregungen zu dem Thema hast, kannst du diese gern in den Kommentaren stellen.