Welches Tattoo passt zu mir?

Was ist das für ein komischer Artikel. Sollte nicht jeder selbst wissen, welches Tattoo oder welches Motiv zu ihm passt? Auch, wenn einige beim Lesen die Augenbrauen hoch ziehen, es gibt erstaunlich viele Kunden, die sich fragen: Wie finde ich heraus, welcher Tattoostil oder welches Bild zu mir passt, sodass es mir noch nach Jahren gefällt?
Zugegeben, auch mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn mal wieder ein Kunde oder eine Kundin zu mir sagt, dass er oder sie unbedingt eine Tätowierung möchte, jedoch nicht weiß was. Diese Reaktion ist natürlich, aber nicht fair. Vielen Kunden fehlt es an der notwendigen Inspiration oder einer distanzierten Sicht auf sich selbst, um zu einem soliden Entschluss zu kommen.

Probleme bei der Tattoo-Planung

Du weißt, wohin dein Tattoo soll, aber nicht, was du haben möchtest

In fast regelmäßigen Abständen kommen Kunden zu mir, die eine ganz genaue Vorstellung haben, welche Körperstelle sie gern tätowiert hätten, nur das Motiv fehlt ihnen noch. In 100% aller Fälle schicke ich diese Kunden ohne Tätowierung und ohne Termin wieder nach Hause.
Natürlich kann ich selbst nachvollziehen, dass man sich ein Tattoo an einer Stelle wünscht, die man ganz besonders reizvoll findet. Oftmals kann dieser Wunsch dringlicher werden, als der nach einem bestimmten Motiv. Trotzdem rate ich dringend davon ab, einen fremden Menschen (und das ist der Tätowierer für die meisten Kunden) um Rat nach dem geeigneten Motiv zu fragen.

Du hast eine lange Wunschliste, aber kannst dich nicht entscheiden

In einem anderen Fall hat der Kunde eine lange Wunschliste an Motiven, die er schön findet. Jeder Tätowierer guckt im Arbeitsalltag viele Tattoo-Foto-Galerien auf dem Handy der Kunden an und steht schlussendlich immer noch ratlos da, weil gefühlt jedes Tattoofoto (meistens Screenshots von Pinterest) einen anderen Stil darstellt.

Welches Motiv an welcher Stelle? Diese Frage bereitet vielen Kunden Kopfzerbrechen.

Du weißt genau, welches Motiv zu dir passt, aber kannst dich nicht für eine Körperstelle entscheiden

Dieser Fall ist aus meiner Sicht der einfachste. Dein Tätowierer kann dir raten, welche Körperstellen für dein Motiv passen und dir die Vor- und Nachteile der jeweiligen Stellen aufzählen.

So findest du ein Tattoo, das zu dir passt

Finde das geeignete Motiv

Heutzutage gibt es unzählige Plattformen im Internet, auf denen man sich inspirieren lassen kann. Leider bringt der Überfluss an Bildern und Beispielen auch häufig eine große Überforderung mit sich. Je mehr man gezeigt bekommt, desto unsicherer wird man, was für einen selbst am besten geeignet ist. Hier gilt es, zu selektieren, welcher Stil oder welches Motiv die eigene Persönlichkeit am besten repräsentiert.

Verzichte bewusst auf Instagram, Facebook und Pinterest

Wenn du zur Mehrzahl der unschlüssigen Tattookunden gehörst, die gefühlt Pinterest, Facebook und Co. schon auswendig kennen, nimm bewusst Abstand von diesen Inspirationen. Natürlich sind diese Plattformen sehr gut darin, uns immer wieder Bilder vorzuschlagen, die uns wirklich gefallen. Der Algorithmus kennt unseren Geschmack, jedoch ist er niemals in der Lage, eine Entscheidung mit Herz zu treffen.

Das Massenangebot auf den Bildplattformen kann auch überfordern und verwirren!

Suche Inspiration in der analogen Welt

Das ist der wertvollste Tipp, den ich dir geben kann. Wenn du nicht weißt, welche Motive dir am besten gefallen, schalte das Handy oder den Laptop mal ab und geh raus. Es ist egal, ob du dich bei einem Feld- oder Waldspaziergang inspirieren lässt oder ob du in eine Kunstausstellung gehst. Mir hilft auch immer der Besuch einer Buchhandlung, wenn ich ein kreatives Tief verspüre. Das Durchblättern von anspruchsvollen Bildbänden oder das Stöbern im Postkartenständer können oft mehr Ideen anregen, als das Scrollen im Internet.

Kauf dir eine Zeitschrift

Auch kann es hilfreich sein, sich Zeitschriften zu kaufen, die nichts mit dem Thema Tattoo zu tun haben. Im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder an Bahnhöfen gibt es Magazine und Zeitschriften zu fast jedem Thema. Das Gute daran ist, dass sie meist tolle Fotografien und Artikel enthalten, zu Themen, die uns der eigenen Algorithmus im Internet vorenthalten hat, weil sie nicht zu unseren meistgesuchten Themen passen.

Eine Buchhandlung oder eine Zeitschrift bieten neue Inspirationen abseits der digitalen Welt

Schau dich bewusst in deinem Zuhause um

Welche Bücher liest du? Fantasy oder Horror? Sammelst du Märchenbücher oder Bildbände mit Tieren? Was sind die Geschichten, die dich fesseln und inspirieren? Vielleicht bist du eher der analytische Typ, der gern Sachbücher liest. Diese Fakten geben dir Hinweise auf deinen Stil. Einem Kunden, der sich für heilige Geometrie und die ägyptische Geschichte interessiert, würde ich kein Tattoo empfehlen, dass die Flora und Fauna der heimischen Umgebung illustriert und umgekehrt.
Wenn dein Kleiderschrank gefüllt ist mit bunten, farbenfrohen Blumenmustern, ist es nahliegend, dass dir ein dunkles Totenkopfmuster als Tattoo nicht lange Freude bereiten wird.

Bildbände können dir Motivwelten eröffnen, von denen du vorher gar nicht wusstest, dass du sie magst.

Welche Dinge interessieren dich am meisten?

Ist es dein Auto oder dein Haustier? Würdest du dein Wochenende lieber mit der Familie oder mit deinen Freunden verbringen? Magst du schwarz-weiße Fotos lieber als bunte? Folgst du gerne Trends, wenn es um Mode und Frisuren geht oder verfolgst du einen klassischen und zeitlosen Stil? All diese Präferenzen sind auch auf den Tattoowunsch übertragbar. Sprich auch gern mit deinem Tätowierer darüber, wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Wunsch einem Trend entspricht oder als zeitlos angesehen werden kann.

Ein Gang in der Natur kann sehr inspirierend sein, mehr, als ein digitaler Spaziergang durch das Internet.

Nimm dir Zeit

Niemand braucht ein Tattoo dringend. Nimm dir genug Zeit für die Motivfindung. Wenn du dich unter Druck setzt, kann die Kreativität nicht fließen. Vielleicht brauchst du sogar einen Urlaub, um zu dir zu finden und dich für dein Motiv endgültig zu entscheiden.

Du weißt, was du tätowiert haben möchtest, bist dir aber unsicher an welcher Körperstelle

Zu Beginn solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Möchte ich mein Tattoo selbst sehen können?

In diesem Fall kommt nur die Vorderseite deines Körpers in Frage

  • Soll mein Tattoo für andere im Alltag sichtbar sein?

In diesem Fall entfallen alle Stellen, die immer durch Kleidung bedeckt sind.

  • Plane ich eine Gewichtszunahme (z.B. durch Schwangerschaft)?

Beachte, dass alle Stellen rund um den Bauch, der Po und die Oberschenkel schnell Dehnungsstreifen bekommen können. Diese können dein Tattoo zerstören. Das gleiche gilt für die Oberarme, wenn du extremen Kraftsport betreibst.

  • Ist mein Bild im Hochformat oder im Querformat?

Ein Tattoo im Querformat passt logischerweise nicht gut auf z.B. den Unterschenkel.

  • Soll mein Tattoo auch im Alter noch vorzeigbar sein?

Falls ja, bedenke, dass alte Menschen viele Körperteile nicht mehr zeigen. Hierzu gehören die Oberarme, der Rücken und die Beine.

Die richtige Körperstelle kann man durch Ausprobieren finden

Du siehst, die Beantwortung dieser Fragen schließt schon viele Möglichkeiten aus.

Wenn du bereits mit deinem Tätowierer gesprochen hast und er dir alle denkbaren Varianten aufgezählt hat, kann ein Selbstversuch helfen. Natürlich kannst du dir keine Tätowierung selbst aufmalen, aber du kannst es simulieren. Nimm dir einen oder mehrere Filzstifte zur Hand und male ein schwarzes oder buntes Gekrakel auf alle Körperstellen, die in Frage kommen. Bitte nun eine Person, Fotos von dir mit dem simulierten Tattoo zu machen. Achtet dabei auf einen ausreichenden Abstand, sodass dein ganzer Körper auf dem Foto sichtbar ist. Probiere deine Test-Tätowierung auch mit verschiedenen Kleidungsstücken aus. So kannst du sehen, mit welchem Outfit die Tätowierung sichtbar wird und welche Bereiche der Tätowierung durch Kleidung verdeckt werden. Alternativ kannst du auch Selfies vor dem Spiegel machen oder an einem Spiegel vorbei laufen. Das klingt alles ein bisschen albern, jedoch kann dir diese Aktion dabei helfen, ein Gefühl für die Körperstelle zu bekommen.

Deine Zeichnung muss nicht perfekt sein, es geht nur um das Gefühl für die Körperstelle

Ich hoffe, dass dir meine Tipps geholfen haben, um die richtige Entscheidung für deine Tätowierung zu treffen. Solltest du noch weitere Fragen haben, stell sie gerne in den Kommentaren oder schreibe mir eine E-Mail.

3 Kommentare

  1. Hey Esther,
    ich bin durch Instagram auf dich aufmerksam geworden. Ich wünsche mir schon seit längerer Zeit einen Lebensbaum als Tattoo. Nachdem ich deinen Blog gelesen habe, bin ich total begeistert und würde gerne wissen, ob du dir vorstellen könntest meinen Tattoowunsch zu erfüllen.
    Ich habe den Baum bereits selbst skizziert. Er ist sehr filigran geworden und wirkt, wie eine Art Kreis, der den Durchmesser von ca 4,5 Zentimetern umfasst. Ich möchte das Tattoo gerne auf die rechte Seite meiner ,,Rippen“, auf Höhe des Seitenteils des BHs.

    Ich würde mich freuen, wenn du mich noch darüber informieren könntest, ab wann du nächste Termine vergibst und in welchem Preisrahmen sich deine Arbeit bewegt.

    Ich freue mich über eine Rückmeldung und wünsche dir schöne Feiertage.

    Herzliche Grüße
    Paula

    • Avatar
      Esther

      19. Dezember 2018 at 13:38

      Liebe Paula,
      es freut mich sehr, dass dir mein Blog und meine Arbeiten gefallen! Ich sende dir gleich eine Mail mit mehr Infos 🙂
      Liebe Grüße
      Esther

  2. An welcher Körperstelle soll die Tattoo kommen, dies ist wirklich eine Denksportaufgabe. Danke für die Tipps zur Suche nach der Tattoo! Es gibt ja so viele Stile! Für die Sommerzeit möchte ich eine, damit ich in meinem Bikini einen nicht schlechten Look bekomme.

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