Wie finde ich den
richtigen Tätowierer?

Hat er einmal den Tätowierer des Vertrauens gefunden, bleibt der Kunden diesem oft treu.

Tätowieren setzt Vertrauen voraus

Das trifft wohl in den meisten Fällen zu. Es gibt aber auch die Gruppe an Kunden, die Spaß daran hat, für jedes Tattoo einen anderen Tätowierer auszuwählen, manchmal innerhalb eines Studios, manchmal innerhalb der ganzen Bundesrepublik und die wirklichen Exoten sammeln ihre Tattoos auf der ganzen Welt. Aber wie finde ich eigentlich den richtigen Tätowierer für mich und mein Tattoo? Diese Frage stellen sich vor allem Tattoo-Neulinge und manche verbringen gar Jahre mit der Suche nach dem einen Tätowierer, der ihnen das erste Tattoo stechen darf. In diesem Artikel möchte ich ein paar grundsätzliche Ratschläge zur gelungenen Wahl des Tattoostudios geben.

 

Sicher habt ihr euer Wunschmotiv schon lange im Kopf und könnt euch ungefähr vorstellen, wie es auf eurem Körper aussehen soll

Die meisten haben auch schon ähnliche Bilder im Internet gesammelt, die entweder das Motiv zeigen oder den Stil wieder geben, den sie sich für das Tattoo wünschen. Mit dieser Sammlung im Kopf, im Speicher oder auf Papier beginnt jetzt die mühsame Arbeit. Diese solltet ihr euch wirklich machen. Durchsucht erstmal alle Homepages und Facebookseiten der örtlichen Tattoostudios in eurer Nähe und studiert das Portfolio. Hat ein Tätowierer in seiner Galerie fast ausschließlich dunkle Motive, zum Beispiel gruselige Totenköpfe mit viel Schwarz und dicken Linien, dann seid ihr bei ihm mit eurem Wunsch nach einer luftigen Mohnblume im zarten Aquarellstil sicherlich falsch – egal wie großartig die Totenköpfe gestochen sind. Sticht jemand ausschließlich filigrane und sehr grafisch anmutende Zeichnungen mit dünnen Linien, dann fragt ihr am besten nicht nach einem kompletten Tribal-Arm oder dunklen Maori-Mustern. Besondere Vorsicht ist bei realistischen und Portrait-Tätowierungen geboten – das kann sehr schnell schief gehen. Am besten geht ihr mit diesem Wunsch nur zu Tätowierern, die häufig solche Bilder gerne stechen. Grundsätzlich gilt: wenn mir beim Anschauen der Fotos des Tätowierers schon das Herz höher schlägt, dann bin ich dort sicher richtig.

 

Trotzdem solltet ihr natürlich nicht nur auf den Stil achten, sondern auch auf die Art der Ausführung

Ein bekanntes und tolles Cover-Up aus dem Internet

Die Linien sollten immer gleichmäßig und ohne Wackler gestochen sein. Die Schattierungen, sowie komplett ausgemalte Bereiche sollten sauber an den Außenlinien angrenzen und ganz gleichmäßig aussehen. Dieses ist für den Laien nicht immer leicht zu beurteilen, deswegen achtet darauf, dass der Tätowierer die Fotos in ausreichender Größe im Internet präsentiert. Schwarze Schafe laden Bilder gern extra klein hoch, um ihre Fehler zu vertuschen. Auch Tätowierungen, die mit einer dicken Vaseline-Schicht fotografiert wurden, können nicht abschließend auf ihre Qualität hin beurteilt werden. Solltet jetzt immer noch nicht Mrs. oder Mr. Right für eure Tätowierung gefunden haben, dann scheut euch nicht, den Suchradius zu erweitern. Für eine gute Tätowierung, die ein Leben lang euren Körper schmücken soll, kann man auch getrost ein paar mehr Kilometer an Anfahrt in Kauf nehmen. Ich habe nicht nur eine Tätowierung auf meinem Körper inklusive langer Anreise und Hotelzimmer gebucht und bereue es nicht.

Jede Tätowierung sollte nicht nach Entfernung zum Studio oder nach dem Preis ausgewählt werden. Bedenkt immer: ihr habt nur einen rechten Oberarm, nur einen linken Fuß und nur einen Nacken für euer Traummotiv.

Sauberkeit und Hygiene sind ein Muss

Das Wichtigste: Das Studio sollte sauber sein und den Anforderungen des örtlichen Gesundheitsamtes entsprechen. Hierzu könnt ihr bei Bedenken auch das Gesundheitsamt telefonisch kontaktieren. Der Tätowierer sollte auf euch einen vertrauenswürdigen Eindruck machen, auch wenn er oder sie bis zum Haaransatz tätowiert und das halbe Gesicht mit Piercings geschmückt ist. Die wenigsten Tätowierer bevorzugen ein gesellschaftsfähiges Erscheinungsbild. Das heißt aber nicht, dass sie nicht in der Lage sind, all eure Fragen zum Thema Hygiene und Sauberkeit zu beantworten oder euch nicht zuvorkommend bedienen möchten. Mir passiert es nicht selten, dass Kunden vorher den Arbeitsplatz in Augenschein nehmen wollen oder sich erklären lassen, wie wir Tätowierer vorgehen, um die Übertragung einer Infektionskrankheit ausschließen zu können.

Dieses Verhalten ist sehr verantwortungsbewusst und völlig legitim und sollte euch daher bei einem Vorgespräch in einem seriösen Studio nicht übel genommen oder sogar verwehrt werden.

Kommunikation

Die gleiche Offenheit von Seiten des Tätowierers gilt natürlich auch für die Kommunikation. Ein Tätowierer, der keine Zeit für ein Vorgespräch hat, macht keinen seriösen Eindruck. Für den Kunden sollte immer gelten: es gibt keine dummen Fragen. Bei einer Tätowierung handelt es sich um eine freiwillige Körperverletzung, deren Spuren im Idealfall ein Leben lang auf eurer Haut bleiben sollen. Solltet ihr beim Betreten des Studios ein ungutes Bauchgefühl haben oder habt ihr den Eindruck, dass ihr nicht ernst genommen werdet, dann geht weiter zum Nächsten.

Leider trifft man im Internet auch immer wieder auf amtemberaubende Bilder von Ausnahme-Tätowierern und muss dann feststellen, dass diese nicht nur auf Jahre ausgebucht sind, sondern teilweise gar keine Neukunden mehr aufnehmen. Wir haben jedoch mitlerweile den Luxus, dass es in fast jeder Stadt mehrere Tätowierer gibt, das war bis vor einigen Jahren noch anders. Heute haben wir die ganz große Auswahl, deswegen liegt die Sorgfaltspflicht bei uns, den richtigen Tätowierer zu finden und auszuwählen.

Social Media

Als ich vor zehn Jahren mit der Ausbildung im Tattoostudio angefangen habe, gab es für Tätowierer nur wenige Möglichkeiten auf sich aufmerksam zu machen. Man schaltete regelmäßige Anzeigen im Tätowiermagazin oder verteilte Flyer und Visitenkarten in seiner Stadt. Eine andere Möglichkeit der Werbung war das Besuchen von Tattooconventions, um potentielle Kunden auf sich und sein Geschäft aufmerksam zu machen. Ich persönlich habe vor einer Woche meine erste bezahlte Werbung geschaltet (auf Instagram), aber nicht, weil ich dringend Kunden brauche, sondern weil ich mal gucken wollte, was passiert. Die sozialen Medien gaben mir vom ersten Tag an die nötige Reichweite, um mich meinen Kunden vorstellen zu können, sodass ich keine andere Form der kostenintensiven Vermarktung meiner Arbeit bedurfte. Auch meinen Kunden, die ich selber nicht bedienen kann, empfehle ich immer wieder den passenden Tätowierer über die sozialen Netzwerke zu suchen. Instagram macht es uns mit der Hashtag-Suche besonders einfach und auch der übersichtliche Feed gibt dem Suchenden direkt einen guten Eindruck über das Portfolio des Künstlers. Ein wichtiger Hinweis noch: wer seinen Tätowierer nach der Kürze der Wartezeit oder nach dem Preis aussucht, dem kann ich auch nicht helfen. Höchstens mit einem Cover-Up, einer aufwendigen und kostenintensiven Nachbehandlung der überstürzten Tätowierung…

Solltet ihr noch Fragen an mich haben, stellt sie gerne in den Kommentaren!
Vielleicht seid ihr noch auf der Suche nach einem Tätowierer, der euren Lieblingsstil perfekt umsetzt? Kontaktiert mich gerne, vielleicht habe ich den passenden Kollegen an der Hand.

2 Kommentare

  1. Hey,
    Ein super Bericht den du geschrieben hast, gerade für einen Neuling wie mich hilfreich.
    Ich könnte wirklich deine Unterstützung bei der Suche nach dem passenden Tätowierer für mich gebrauchen.
    Vielleicht meldest du dich ja Mal, es würde mich freuen.
    Grüße
    David

  2. Hey,
    du schriebst hier einen Klasse Blog, mach weiter so….
    Und in der Tat bin ich selber noch auf der Suche nach einem geeigneten Tätowierer, gerne in der Nähe aber die Beratung steht klar im Vordergrund.
    Ich würde micb freuen wenn du mich bei der Suche nach einem Idealen Künstler für mein Chestpiece unterstützen könntest / würdest. Leider hatte ich in der Vergangenheit und den vergangenen Gesprächen und Termin nicht soviel Glück.
    Ich würde mich freuen von Dir / Euch zu hören.

    Liebe Grüße
    David

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