Tattoos am Handgelenk – „Ich möchte das Tattoo richtig rum“

Tattoo wie rum
„Ich möchte das Tattoo richtig rum sehen“

Die Sache mit dem Blickwinkel…

Da ich als Allrounder arbeite, also versuche möglichst wenig Kundenwünsche abzulehnen, werde ich beinahe wöchentlich mit einer bestimmten Thematik konfrontiert. Es handelt sich um kleine Tätowierungen am Unterarm und wie sie richtig platziert werden. Jeder, ich betone: JEDER Tätowierer kennt die Diskussion mit Kunden, wenn es darum geht, welcher Blickwinkel der richtige ist.

Tattoos am Handgelenk

Seltsamerweise betrifft das wirklich ausschließlich Tattoos an den Unterarmen. Vorzugsweise kleine Schriftzüge und Symbole, die zum Beispiel am Handgelenk platziert werden. Häufig wünschen sich Kunden, dass das Tattoo so platziert wird, dass sie es beim Anschauen richtig herum sehen. Als Tätowierer versuchen wir Aufklärungsarbeit zu leisten und den Kunden zu überzeugen, es sich anders herum stechen zu lassen.

Ist das erste Tattoo „falsch“ rum, wird die Positionierung aller nachfolgenden Tattoos kniffliger
Konflikte sind vorprogrammiert

Viele Kunden verstehen nicht, warum eine Tätowierung, die für sie von hoher persönlicher Bedeutung ist, so gestochen wird, dass sie selbst sie falsch herum sehen. Ich habe nicht selten erlebt, dass man bis zu einer Stunde diskutiert, bis einer von beiden nachgibt (meistens ich). Mittlerweile investiere ich nicht mehr so viel Zeit in dieses Thema. Früher hatte ich Sorge, dass mein Ruf als Tätowierer darunter leidet, wenn die Kunden später bei einem Kollegen vorstellig werden und das Tattoo zeigen, dass meiner Ansicht nach falsch herum auf dem Körper ist. Inzwischen denke ich, dass auch andere Tätowierer nachvollziehen können, dass man irgendwann müde wird, immer das Gleiche zu erzählen und die gleiche Überzeugungsarbeit zu leisten.

Warum wollen Tätowierer das Tattoo anders herum?

Ein Tattoo ist nur dann richtig positioniert, wenn ein Betrachter das Tattoo des Trägers bei hängenden Armen richtig herum sieht.
Am Dekolleté würde sich ja auch kein Mensch ein Tattoo so stechen lassen, dass man es von oben aus der richtigen Perspektive sieht.
Wenn ich als Neukunde mit meinem ersten Tattoo am Handgelenk starte und beispielsweise einen kleinen Vogel als Motiv wähle, dann ist dieser Vogel zu allen darauf folgenden Tätowierungen im Verhältnis falsch herum positioniert.

Eine – zugegeben – übertriebene Darstellung des Konflikts
Tragt ihr eure Shirts auch so, dass ihr die Schrift lesen könnt?

Bei einem Shirt mit einer Schrift vorne drauf käme ja auch niemand auf die Idee, die Schrift so zu positionieren, dass man es selber lesen kann. Ebenso verhält es sich mit Tätowierungen auf den Unterschenkeln, der Brust, und so weiter…

Ja, ich habe Verständnis dafür…

… dass mein Kunde ein persönliches Wort, wie zum Beispiel „Family“ oder Ähnliches am Handgelenk gerne selber richtig rum lesen kann. Mir ist es jedoch wichtig, dass im Falle nachfolgender Tätowierungen alle Bilder richtig positioniert sind. Wie gesagt, ich steche inzwischen auch kleine Wörter falsch herum, wenn der Kunde das will, aber es gibt Grenzen.

Auch hier habe ich die Darstellung überspitzt, um die Problematik deutlich zu machen
Wenn sich die Bedeutung umkehrt

Vor kurzem habe ich eine Diskussion mitbekommen, die eine Tätowiererkollegin mit einer Kundin führte. Die Kundin wünschte sich ein christliches Kreuz am äußeren Handgelenk. Sie wollte es so, dass sie es richtig rum sieht. Meine Kollegin weigerte sich zu recht, das Kreuz in dieser Richtung zu stechen.

Das Kreuz wäre dann nicht nur falsch rum, die Bedeutung kehrt sich ebenfalls um!

Jeder, der die junge Frau durch die Stadt laufen sieht, denkt gleich an Satanismus, wenn er das auf den Kopf gedrehte Kreuz an ihrem äußeren Handgelenk sieht. Das Tattoo ist in stehender Haltung zwangsläufig falsch herum.

 

Wie immer gilt…

… erst denken, dann tätowieren. Wenn du als Tattookunde mit dem Gedanken spielst, dir ein persönliches Tattoo am Unterarm stechen zu lassen, musst du dir im Klaren sein, dass es bei den allermeisten Kunden nicht bei einer Tätowierung bleibt. Wenn es für dich kein Problem ist, dass die Tätowierung für alle anderen Menschen falsch herum zu sehen ist und im Verhältnis zu allen weiteren Tätowierungen an deinem Arm falsch ist, dann ist es kein Problem. An dieser Stelle plädiere ich aber auch für mehr Verständnis den Tätowiererkollegen gegenüber, die sich weigern, die Tätowierung falsch herum zu stechen. In diesem Artikel sind ihre Gründe denke ich deutlich geworden.

  1. Liebe Esther,
    ich kann Dir nur Recht geben und alle Deine Beispiele (ob überspitzt oder nicht) stellen das Problem oder besser, die richtige Perspektive, eindeutig dar. Spätestens bei dem Kreuz-Tattoo müsste doch auch der letzte Zweifler überzeugt worden sein!
    Liebe Grüße aus Lüdenscheid
    Anja

    1. Bin da ganz bei euch! Wie verhält es sich aber mit der Außenseite des Unterarms? Viele wünschen sich dort z.B. einen Schriftzug. Dann geht man vom angewinkelten Arm aus, so dass die Schrift waagerecht ist – soweit logisch. Nun will aber jemand ein Chamäleon. Muss dieses bei hängendem Arm „bergauf“ krabbeln oder muss es auf dem Kopf stehen, also mit Gesicht nach unten. Denn bei angewinkeltem Arm sieht es ja besser aus, wenn es nach vorne, also zur Hand hin krabbelt? Gruß, Chris

      1. Hallo Chris,
        ich würde ein Chämeon so positionieren, dass es bei hängendem Arm mit dem Kopf nach oben zeigt. Aber bei Tieren ist es sicherlich auch geschmackssache, wie man es positioniert.
        Liebe Grüße!
        Esther

  2. Interessanter Beitrag… Nun ja, ist nicht der Kunde der König? Mir fällt das gar nicht auf ob umgekehrt oder nicht, eher bewundere ich die Kunstwerke an sich bei Menschen egal wie positioniert…;) Old School Tattoo finde ich am coolsten 🙂

  3. Ich habe bewusst beide Tattoos verkehrtherum 😛
    auch wenn die Diskussion war.
    doch
    1. sind es tattoos die ICH lesen möchte
    die für mich sind und nicht für andere
    2. ich nicht wie jeder bin, denn was ist schon richtig
    und was ist falsch, finde es eigentlich frech zu sagen,
    so rum ist es falsch. Bei Kunst gibt es kein Falsch.

    Was meinte mal einer zu mir, du schaust dir doch das tattoo eh nach
    1-3 Monaten nicht mehr an. nach 10 Jahren schaue und lese ich es fast
    täglich, ich hab da keine lust mich dann umzudenken,
    achso die zahl umdrehen, ja genau …. nur damit es andere 1x
    im Jahr richtig lesen können?

    Ich verstehe z.b. Kreuze, die dann eine andere Bedeutung haben,
    aber bei neutralen dinge wie schriften etc. finde ich es wirklich
    freie Wahl angebracht.

    Im Grunde muss jeder für sich selbst entscheiden,
    ich hab es bewusst gemacht und bereue nicht einen Tag.

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