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Weiße Tattoos – ein neuer Trend

Heute möchte ich einen Trend vorstellen, den es erst seit wenigen Jahren und noch ganz selten an tätowierten Körpern zu sehen ist: Weiße Tattoos, auch genannt: White Ink. Weiße Tattoos werden mit weißer Farbe gestochen, das bringt Vor- und Nachteile mit sich.

Gibt es weiße Tattoos?

Wer sich intensiv mit Tätowierungen beschäftigt, dem fällt auf, dass das Netz sich zunehmend mit Bildern füllt, die rein weiße Tätowierungen zeigen.
Weiße Tattoofarbe gibt es schon lange, jedoch ist sie erst in den letzten Jahren so weit entwickelt worden, dass sie auch haltbar unter der Haut bleibt. Früher benutzte man weiße Tattoofarbe ausschließlich, um kleine Highlights, zum Beispiel als Lichtpunkt in einem Auge, zu setzen. In diesem Fall war es nicht ganz so schlimm, wenn die Farbe nach einigen Jahren nicht mehr sichtbar war.

Wer sich heute ein komplett weißes Mandala stechen lässt, kann davon ausgehen, dass es auch weitgehend erhalten bleibt.

Eine weiße Schneeflocke frisch tätowiert
Wie haltbar sind weiße Tattoos?

Bei einem weißen Tattoo ist mit Einschränkungen zu rechnen. Wer glaubt, dass die strahlend weißen Tattoos auf Pinterest und Instagram auch nach Jahren noch so aussehen, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen.
Unsere Haut besteht aus mehreren Schichten. Beim Tätowiervorgang wird die oberste Hautschicht namens Epidermis zerstört, um Farbe in die darunter liegende Schicht, die Dermis, einzubringen. Während des Abheilungsprozesses kommt zuerst eine Kruste und die oberste Hautschicht bildet sich neu. Da in der Epidermis aber auch Farbpigmente, sogenannte Melanine, enthalten sind, wird die Wirkung der weißen Farbe beeinträchtigt. Dies ist vor allem im Sommer der Fall, wenn die Melanine unsere Haut bräunen. Manche Menschen vergleichen das Aussehen weißer Tattoos mit dem von alten Narben.

Du kannst dir das ungefähr so vorstellen, als legst du ein Transparentpapier, welches leicht braun-gelblich gefärbt ist, über die Tätowierung. Den gleichen Effekt hat die neue Epidermis auf die Wirkung der weißen Farbpigmente in der Dermis. Das Tattoo kann also nach der Abheilung und insbesondere nach intensiver Sonneneinstrahlung sehr gelb aussehen.

Die weiße Schneeflocke ist abgeheilt
Weiße Farbe sollte nicht flächig tätowiert werden

Da die Melanine auch nicht immer gleichmäßig in unserer Hautschicht verteilt sind, wirken weiße Tätowierungen oft unregelmäßig und matschig, wenn die Haut gebräunt wird. Deswegen rate ich dringend davon ab, weiße Farbe flächig zu tätowieren. Arbeitet man nur mit Linien, wie zum Beispiel bei einem kleinen Symbol oder Mandala, sind die Unregelmäßigkeiten nicht so offensichtlich. Nach der Abheilung strahlen sie niemals so weiß, wie Neuschnee oder Tipex. Das ist auch der Grund, warum weiße Tattoos oft mit Narben verwechselt werden.

Für Highlights wird weiße Farbe schon lange verwendet. Hier beispielsweise als Lichtpunkt im Auge.
Wie werden weiße Tattoos gestochen?

Der Arbeitsvorgang ist der gleiche, wie bei normalen Tätowierungen. Die Farbe wird mittels einer Nadel, die durch eine Tätowiermaschine bewegt wird, in die Haut gebracht. Bei der Vorbereitung gibt es jedoch etwas zu beachten. Ein dunkles Stencil oder eine farbige Vorzeichnung auf der Haut, wird zwangsläufig mit eingearbeitet. Weiße Tätowierfarbe funktioniert nicht wie ein Deckweiß, sie mischt sich zwangsläufig mit zuvor aufgetragenen Pigmenten aus den Hautstiften oder dem Stencil. Wer nicht aufpasst, tätowiert seinem Kunden so eine unschöne graue oder violette Tönung in die Haut.

Ich rate dazu, die Vorzeichnung oder das Stencil nach dem Aufsetzen oder Aufzeichnen so weit wegzuwischen, dass man die Vorlage nur noch erahnen kann. Diese Vorgehensweise ist nur für geübte Tätowierer zu empfehlen.

Frisch gestochen sehen weiße Tattoos häufig blutiger aus, als schwarze Tattoos. Das liegt daran, dass schwarze Farbe Hautrötungen schlechter sichtbar macht.
Tun weiße Tattoos mehr weh, als normale?

Wer häufig im Internet unterwegs ist, dem ist sicher schon das ein oder andere Meme begegnet, in dem auf skurrile oder erheiternde Weise dargestellt wird, wie ein Kunde Höllenqualen aussteht, sobald der Tätowierer die weißen Highlights setzt. Da im normalen Arbeitsvorgang die weißen Highlights ganz am Ende einer jeden Sitzung gestochen werden, ist der höhere Schmerzfaktor ausschließlich auf die fortgeschrittene Zeit und somit fehlende Kondition des Kunden zurück zu führen. Mit einem erhöhten Schmerzaufkommen durch weiße Farbe hat das gar nichts zu tun.

Weiße Tattoos tun genau so weh, wie jedes andersfarbige Tattoo auch.

Das weiße Kleeblatt ist abgeheilt. Diese Kundin hat den Vorteil, dass sie eine Pigmentstörung hat. Der Bereich, in dem das Kleeblatt sitzt, ist frei von Melaninen. Dadurch bleibt die Tätowierung hell und dunkelt nicht nach durch Sonneneinstrahlung.
Wenn du ein weißes Tattoo haben möchtest

Wen das alles nicht abschreckt, dem möchte ich raten, sich einen Tätowierer zu suchen, der gerne und oft weiße Tätowierungen sticht. Die meisten Tätowierer lehnen es ab. Das ist völlig verständlich, da die Gefahr besteht, dass die Kunden nicht zufrieden sind, wenn sich das Tattoo in oben genannter Weise verändert und nicht mehr so aussieht, wie sie es sich vorgestellt haben. Vor allem bei Menschen, die schnell braun werden, färben sich die weißen Tattoos gelb.
Ich persönlich steche gerne weiße Tätowierungen und trage auch selbst zwei kleine weiße Symbole am linken Arm.

Ergänzend möchte ich noch sagen, dass es nicht möglich ist mit Weiß über vorhandene schwarze Tätowierungen zu tätowieren. Diese Frage wird mir im Studio sehr oft gestellt. Es ist nicht möglich, da das Weiß eine niedrigere Deckkraft hat, als Schwarz.

Gerne kannst du mir deine unbeantworteten Fragen in den Kommentaren oder in einer E-Mail stellen!

  1. Ein wirklich interessanter Tattoo Trend mit der weissen Farbe. Man darf gespannt sein, wie lange dieser Hype anhält und was als nächstes im Bereich Tattoo & Piercing ansteht. Weiter so!

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